Referenz

Fischzucht springt ins digitale Zeitalter

Das Bild des im offenen Meer schippernden Fischers ist kaum mehr als nostalgische Verklärung. Denn mittlerweile stammt nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF fast die Hälfte des Speisefisches aus Aquakulturen; Tendenz steigend. Fischfarmer setzen nicht auf Köder, sondern auf digitale Datenanalyse, um die dicksten Fische zu angeln – und ihre Zucht gesund und wirtschaftlich zu halten. WAGO Technik unterstützt sie dabei.

Laut WWF und der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die Fischzucht der am schnellsten wachsende Zweig in der globalen Ernährungswirtschaft. Tierschützer schimpfen sie daher Massentierhaltung unter Wasser, Investoren dagegen freuen sich über äußerst lukrative Gewinne. Doch durch Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien mit WAGO Komponenten versöhnt das norwegische Unternehmen Embicon diese beiden Positionen. Denn der entscheidende Wirtschaftsfaktor beim Aquafarming ist und bleibt die Fischgesundheit.

Durch digitale Datenanalysen zu mehr Tierwohl und Wirtschaftlichkeit

Datengetriebene Optimierung

Fischzucht stellt vielfältige Herausforderungen an die Aquakulturbetreiber: Stimmt der Sauerstoffgehalt? Wie steht’s um Temperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen? Diese und noch weitere Werte sind wichtige Parameter, die etwas über den Gesundheitszustand der Fische und damit über die Wirtschaftlichkeit der Fischzucht aussagen. Sie müssen daher stets aktuell sein.

„Die Aquakulturindustrie ist eine junge, expansive Industrie, die gern brandneue und fortgeschrittene Lösungen aufgreift, um Abläufe zu optimieren und sicherzustellen“, erklärt Lars Magne Endresen, Geschäftsführer bei Embicon. Der Schritt ins Zeitalter der Digitalisierung sollte für die Branche demnach keine große Hürde sein. Mit maritimen Steuerungssystemen und Unterwasserkommunikationslösungen hat sich Embicon schon früh auf Aquakulturen spezialisiert und als Anbieter von Automatisierungslösungen etabliert.

Gründer und Geschäftsführer von Embicon, Lars Magne Endresen, vor einer Embilink-A2-Messstation. Installiert mit Steuerungen aus der WAGO PFC-Familie, werden hier Daten von Sensoren verschiedener Hersteller gesammelt und entweder drahtlos, über Kabel oder Glasfaser auf einen Server gesendet, der die Messwerte in einer Datenbank speichert. Sowohl die Echtzeitdaten als auch die historischen Messwerte können grafisch auf Computern, Mobiltelefonen und Tablets dargestellt werden.

Bereits seit 2009 entwickelt Embicon seine Systeme für die Aquakulturindustrie cloud-basiert. „Heutzutage ist es normal, beinahe überall online zu sein, und mit unserer Lösung ist es möglich, wichtige Informationen über den Prozess direkt auf dem Mobiltelefon, Tablet oder PC angezeigt zu bekommen. Der Kunde teilt uns mit, welche Parameter überwacht werden sollen, und wir finden die für diese Aufgabe am besten geeigneten Sensoren“, sagt Endresen.

Die Aquakulturindustrie ist offen für fortschrittliche Technik, um Abläufe zu optimieren und sicherzustellen – Embicon und WAGO unterstützen mit digitalen Lösungen.

Reaktionen werden rationaler

Die Grundlage operativer Entscheidungen bilden mittlerweile verlässliche Messungen. „Wir beobachten, dass die Menschen allmählich begreifen, welche Möglichkeiten die Digitalisierung und das Internet der Dinge für die Rationalisierung von Abläufen bieten können“, sagt Endresen. „Die von uns entwickelte Lösung sammelt wichtige Betriebsdaten und überführt sie in eine Cloud- Lösung. Dann können die Anwender verarbeitete Echtzeit- oder historische Daten bekommen, die in einer anwenderfreundlichen Art und Weise präsentiert werden.“

Doch um diese Daten zu sammeln und zu speichern, damit der Endverbraucher nützliche Informationen erhalten kann, müssen eine Reihe von Technologien miteinander kombiniert werden – auf Basis der Erfahrung aus unterschiedlichen Betriebsbedingungen. All diese Kontrollen und zukünftigen Lösungen werden bei Embicon in enger Zusammenarbeit mit den Endverbrauchern entwickelt.

Wir suchten nach einem Lieferanten, der unseren Anforderungen an Management und Kommunikation gerecht werden konnte. Dabei erkannten wir schnell, dass WAGO unsere Anforderungen erfüllen konnte.

Lars Magne Endresen, Gründer und Geschäftsführer Embicon AS

Technikwunsch: robust und vielseitig verwendbar

Fast jede Fischzucht bedarf spezieller Lösungen. Die Technik müsse sich dabei häufig einer rauen, maritimen Umgebung anpassen. Hier kommt WAGO ins Spiel. „Die Partnerschaft fing vor ein paar Jahren an“, erinnert sich Endresen. „Wir suchten nach einem Lieferanten, der unseren Anforderungen an Management und Kommunikation gerecht werden konnte. Unter anderem durchforsteten wir sehr stark das Internet, um einen guten Lieferanten zu finden. Dabei erkannten wir schnell, dass WAGO unsere Anforderungen erfüllen konnte“. Aus der anfänglichen Zusammenarbeit entwickelte sich schnell eine sehr gute Partnerschaft. Das breite Sortiment überzeuge und der geleistete Support sei ausgezeichnet.

Um Daten zu sammeln und diese in eine Cloud- Lösung zu überführen, verwendet Embicon eine Reihe von WAGO Produkten, wie zum Beispiel I/O-Module, Gleichrichter zur Stromregelung, Klemmen und eine MQTT-softwareerweiterte SPS. So ist der IoT-fähige PFC200 als Datenerfassungseinheit auf dem schwimmenden Netz installiert, um zum Beispiel den Salz- und Sauerstoffgehalt zu erfassen. Falls eine Funktionskontrolle notwendig sein sollte, ist auch dies mit der SPS von WAGO einfach möglich. Die Steuerung organisiert unter anderem die Sammlung von Daten und ihre Übertragung in die Cloud – Embicon greift dabei auf eine eigene Lösung zurück und nutzt einen weiteren Vorteil der PFC-Familie: die hohe Flexibilität. Ob der Controller die Daten an die WAGO Cloud oder zu Microsoft Azure, Amazon Web Services oder IBM Bluemix schickt, bleibt grundsätzlich dem Anwender überlassen. Auch Anbindungen an Third-Party-Lösungen sind dank des standardisierten Protokolls MQTT machbar.

Der Strom auf der schwimmenden Fischfarm wird ausschließlich über Solarpanels erzeugt. Um den Controller vor auftretenden Spannungsabfällen oder Stromausfällen zu schützen, greift Embicon auf die von WAGO gestellte elektronische Sicherung mit Fernsteuerung sowie eine USVLade- und -Kontrolleinheit zum Aufbau einer unterbrechungsfreien Stromversorgung zurück. Das garantiert eine zuverlässige Funktionsweise des über alle Jahreszeiten auf offener See stehenden Schaltschranks.

Die Embilink-Plattform sendet sichere Schlüsseldaten in die Cloud, auf die Echtzeitüberwachung kann weltweit zugegriffen werden. Das erste Embilink-System wurde in der innovativen Heilbuttfabrik von Tubilah installiert. WAGO Controller sind Hauptkomponenten des Systems.

Konkurrenzfähiger Nischenplayer

„Unsere Philosophie besteht darin, dass Lösungen bei der Entwicklung von Technologie Priorität haben sollten“, sagt Endresen. Diese Strategie kann einer kleinen Firma wie unserer einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Aber dann ist es auch unbedingt notwendig, dass unsere Partner die gleiche Philosophie vertreten. Wir denken, dass dies bei WAGO der Fall ist“, unterstreicht Endresen. Es könne vorkommen, dass Embicon gemeinsam mit WAGO Lösungen ausprobiert, die noch nie zuvor jemand getestet habe.

Heutzutage werden Standards entwickelt, die die Datenkommunikation zwischen den technischen und administrativen Systemen vereinfachen. Endresen ist überzeugt, dass IT und OT miteinander verschmelzen werden und so die Entwicklungsarbeit erleichtern werde. „Wenn wir dann mit einem Technologielieferanten wie WAGO zusammenarbeiten, wird unsere Arbeit leichter“, sagt er.

Text: Marius Økland + Frederik Haugsgjerd

Foto: Embicon AS

Sauerstoff, Temperatur, Salzgehalt – Embilink, ein webbasiertes Tool von Embicon, sorgt für Echtzeitmessungen, wie die in dieser Fischfarm in der Meerenge im Stokksund. Es sammelt und bereitet wichtige Informationen vor, die die Grundlage für Entscheidungen und Wertschöpfung von Fischfarmen bietet. Für eine zuverlässige Datenübertragung in die Cloud sorgt der installierte IoT-fähige WAGO PFC200.

Unsere Philosophie besteht darin, dass Lösungen bei der Entwicklung von Technologie Priorität haben sollten. Aber dann ist es auch unbedingt notwendig, dass unsere Partner die gleiche Philosophie vertreten. Wir denken, dass dies bei WAGO der Fall ist.

Lars Magne Endresen, Gründer und Geschäftsführer Embicon AS

Über Embicon AS

Embicon AS liefert Automatisierungslösungen für die Aquakulturbranche, Schifffahrt und andere Meeresumgebungen. Unter anderem hat das norwegische Unternehmen die Embilink-Plattform entwickelt: ein System, das relevante Daten in der Fischzucht erfasst, wie zum Beispiel Sauerstoffgehalt, Meeresströmungen, Temperatur oder Salzgehalt – oder auch technische Parameter wie Tankfüllstände eines Generators oder der Wasserdurchfluss in einer Leitung.

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