Kurswechsel gefragt

26. Juli 2021
Effizienzsteigerung im Gebäudesektor
ist auf Sanierungen angewiesen

Der Klimaschutz ist eins der erklärten Ziele der Europäischen Union. Bis 2050 sollen Treibhausgasemissionen auf ein Minimum reduziert werden. Der Gebäudesektor spielt dabei eine wichtige Rolle: Allein 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und etwa 36 Prozent aller CO2-Emissionen entfallen auf den Gebäudebereich. Das Energieeinsparpotential ist enorm. Potentielle Einsparungen liegen vor allem in der Modernisierung von Bestandsgebäuden.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Gebäudesektor ist ein hoher Energieverbraucher: Um insgesamt energieeffizienter zu werden, müssen deutlich mehr Bestandsgebäude saniert werden.
  • Durchdachte Gebäudeautomation unterstützt Einsparungen: Gebäudetechnische Prozesse lassen sich erfassen, steuern und effizient regeln. Vernetzte Systeme schaffen zusätzliche Mehrwerte.
  • Effizienz nachrüsten: Für einen energieoptimierten Gebäudebetrieb notwendige Steuerungen, Sensoren und Aktoren können in Bestandsgebäuden auch nachträglich eingebaut werden.
  • Smart Readiness: Gebäudeautomation ist auch Vorgabe aus der Politik.

Nicht-Wohngebäude sind hohe Energieverbraucher

Zurzeit gibt es schätzungsweise 2,7 Millionen Nicht-Wohngebäude in Deutschland (dena Report 2019). Das sind insgesamt 13 Prozent des deutschen Gebäudebestands. Gleichzeitig entfallen auf Nicht-Wohngebäude über ein Drittel des gesamten Gebäudeenergieverbrauchs. Um diesen zu senken, bedarf es neben energieeffizienten Neubauten vor allem energetische Sanierungen, die sich nicht nur auf bessere Wärmedämmung oder innovativere Heizungstechnik beschränken, sondern auch nachgerüstete Gebäudeautomation, die die Energieeffizienz eines bestehenden Gebäudes entscheidend steigert, fokussieren.

Gebäudeautomation unterstützt gezielten Energieeinsatz

Hohe Energieeinsparungen werden durch eine durchdachte Gebäudeautomation, die die gebäudetechnischen Prozesse erfasst, steuert und regelt sowie Systeme und Gewerke miteinander vernetzt, erreicht. Dabei kommunizieren einzelne Systeme untereinander oder mit einem übergeordnetem Managementsystem. Heizung, Lüftung und Klimatisierung, Beleuchtung sowie Beschattung interagieren und nutzen Synergien für einen energieoptimierten Betrieb. So wird Primärenergie erst dann bedarfsorientiert eingesetzt, wenn dies unbedingt nötig ist. Die klimatischen Raumbedingungen werden beispielsweise in Abhängigkeit einer Anwesenheit automatisch so angepasst, dass der Nutzer ein angenehmes Klima vorfindet und produktiv arbeiten kann. Bei Nicht-Nutzen des Raums hingegen, regulieren sich die vorhandenen Systeme und können so die nicht gebrauchte Energie sparen. Die dafür notwenigen Steuerungen, Sensoren und Aktoren sind in den meisten Fällen problemlos nachrüstbar.

Sanierungsquote zu gering

Europaweit liegt die Renovierungsquote bei gerade einmal 11 Prozent und nur in den wenigsten Fällen steht dabei ein effizienter, nachhaltiger Gebäudebetrieb im Fokus. Renovierungen, die tatsächlich eine Verbesserung der Energieeffizienz erreichen, bilanzieren sich auf etwa 1 Prozent. Noch geringer ist mit 0,2 Prozent der Anteil an sogenannten „tiefgreifenden“ Gebäudesanierungen, die eine Energieersparnis von 60 Prozent bringen. Doch warum werden nicht mehr Gebäude saniert und mit entsprechender Automationstechnik nachgerüstet? Neben Informationsdefiziten stellen sich für Gebäudebetreiber und -investoren energieeffiziente Technologien gegenüber konventionellen Lösungen teils noch als unwirtschaftlich dar. Der Zugang zu Finanzierungen ist zwar meistens vorhanden, allerdings fehlt häufig schlicht die Übersicht, was wie gefördert wird und welche Voraussetzungen für die Programme erfüllt werden müssen. Zusätzlich sind viele Gebäudebesitzer über den Energiezustand ihrer Gebäude und die Möglichkeiten, welche die heutige Technik bietet, nicht ausreichend informiert. Dabei ist es dringend an der Zeit, zu handeln: Wenn das EU-Ziel, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudesektor zu haben, erreicht werden soll, muss die Renovierungsquote spätestens in den nächsten 9 Jahren mindestens um das Doppelte steigen.

Gebäudesanierungen längst auch Thema in der EU-Politik

Dass Sanierungen und Gebäudeautomation entscheidend zur Einsparung von Energie in Gebäuden beitragen, hat mittlerweile auch die Politik verstanden und entsprechende Vorgaben in Direktiven wie der europäischen Energy Performance of Building Directive (EPBD), die von den Ländern bis Anfang dieses Jahres in Landesrecht umgesetzt werden sollte, festgehalten. Lag der Fokus der EU-Gebäuderichtlinie bis 2018 noch auf der Gebäudehülle, hat die Novellierung die Einsparpotentiale durch Gebäudeautomation erkannt und aufgegriffen.

Im Fokus der Richtlinie liegt unter anderem die Digitalisierung des Gebäudesektors mit einer Vernetzung aller technischen Systeme inklusive smarter Sensoren und Aktoren. Denn: Eine tiefgreifende Vernetzung, das Erfassen von Informationen und das Monitoring sind Grundvoraussetzungen für ein zukunftsfähiges, smartes Gebäude.

Die Schwerpunkte der EPBD

  • Kommunikationsfähigkeit/ Monitoring

  • Installation von selbstregulierenden Einrichtungen

  • Intelligentes Aufladen von Elektrofahrzeugen

  • Intelligenzfähigkeitsindikator/ Smart Readiness Indicator

Intelligenzfähigkeitsindikator: Gebäude zukunftsfähig machen

Ziel der EPBD ist nicht nur, Gebäude auf den heutigen Stand der Technik zu bringen und damit verbundene Energieeinsparpotentiale auszuschöpfen, sondern auch dafür zu sorgen, dass Gebäude technisch auf zukünftige Anforderungen und Systeme vorbereitet sind. Hierfür wurde mit der novellierten Richtlinie erstmals der Intelligenzfähigkeitsindikator erwähnt, der eine Orientierung zum Messen der Intelligenzfähigkeit eines Gebäudes gibt. Der Intelligenzfähigkeitsindikator „umfasst Merkmale für erhöhte Energieeinsparungen, Benchmarks und Flexibilität sowie verbesserte Funktionen und Fähigkeiten, die auf stärker vernetzte und intelligente Geräte zurückzuführen sind“ (EPBD, Anhang IA). Der Indikator soll dabei eine Orientierung bieten, inwiefern Gebäude und ihre bestehende Technik den heutigen und zukünftigen Anforderungen gerecht werden und wo – nach aktuellem technischem Stand – noch Optimierungsbedarf besteht. Inwiefern dieser Wert zukünftig zur Bewertung von Gebäuden, beispielsweise in Bezug auf den Energieausweis, herangezogen wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

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