Interview 21. Januar 2019
„Wir sind Ansprechpartner für alle Belange“

Dirk Krämer ist Facharzt für Allgemein-, Betriebs- und Sportmedizin.

Seit 2014 ist er für die WAGO-Standorte Minden und Sonderhausen als festangestellter Betriebsarzt gemeinsam mit seinen Assistentinnen Silvia Summann, Inken Sönnichsen-Hinrichs und Babett Herold verantwortlich.

Das Unternehmen kennt Dirk Krämer schon lange gut – bereits seit 2004 betreute er WAGO als externer Arzt.

Welche Vorteile bietet eine eigene Praxis bei WAGO?

Die Entscheidung für eine eigene betriebsärztliche Praxis bei WAGO hatte zwei Gründe: Einerseits konnte man so der ständig anwachsenden Mitarbeiterzahl und den damit erhöhten Anforderungen an den Arbeitsschutz gerecht werden. Ein anderer wesentlicher Beweggrund war die Schaffung eines weiteren Bausteins für das betriebliche Gesundheitsmanagement. So sind wir nun in der Lage, zeitnah die betrieblichen Arbeitsschutzinhalte an den Standorten sowohl in Minden als auch in Sondershausen zu gewährleisten und uns ebenso den Entwicklungen und Herausforderungen der modernen Arbeitswelt im Hinblick auf ein funktionierendes Gesundheitsmanagement zu stellen.

Für die Kolleginnen und Kollegen bedeutet die eigene Betriebsarztpraxis bei WAGO kurze Wege, präsente Ansprechpartner und fachliche Kompetenz zu allen Fragen des präventiven individuellen und kollektiven Gesundheitsschutzes.

Was unterscheidet die Arbeit des Betriebsmediziners vom klassischen Hausarzt?

Rein gesetzlich betrachtet, werden die Kernaufgaben des Betriebsarztes durch das Arbeitsschutzgesetz geregelt und nicht, wie im haus- und fachärztlichen Bereich, durch das Sozialgesetzbuch V. Im Klartext heißt das: Der niedergelassen Haus- und Facharzt übernimmt die kurative Versorgung und Behandlung der Patienten nach den Gesichtspunkten der Krankenkassen, der Betriebsarzt berät und untersucht Arbeitnehmer zur Vermeidung von möglichen arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.

Wie sieht das bei WAGO aus?

Bei WAGO ist das etwas anders. Mein Aufgabenbereich geht über den eines klassischen Betriebsarztes hinaus und mir ist es möglich, zahlreiche zusätzliche medizinische Versorgungsleistungen anzubieten. Die Grenzen zwischen kurativer und betriebsärztlicher Versorgung verschwimmen hier häufig – wovon die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren. Wir möchten es ihnen ohne großen logistischen Aufwand ermöglichen, Krankheiten zu entdecken und zu verstehen. Deshalb bieten wir wöchentliche allgemeinärztliche Sprechstunden an, die von Kolleginnen und Kollegen mit akuten und chronischen Erkrankungen wahrgenommen werden können. Beratungen zu medizinischen Versorgungsleistungen finden ebenfalls statt. Dies betrifft vermehrt auch Gespräche und Hilfen bei seelischen Erkrankungen, die oftmals aus Zeitgründen in der hausärztlichen Praxis nicht genügend behandelt werden können. Unsere präventivmedizinischen Gesundheitsleistungen sind häufig umfangreicher als die hausärztlichen Vorsorgeangebote. Wir erbringen sie unter anderem in Form von Gesundheitsaktionen direkt in der Abteilung. Ein Beispiel hierfür ist die Möglichkeit zur präventiven Labordiagnostik.

Unsere Praxisausstattung entspricht der einer internistisch/allgemeinmedizinischen Hausarztpraxis. Allerdings können wir keine Krankmeldungen ausstellen. Die Digitalisierung ist in unserer Praxis schon sehr weit fortgeschritten, alle erhobenen Befunde und medizinischen Daten sind digital erfasst und können bei Bedarf auch digital an unsere Mitarbeiter oder ärztliche Kollegen übermittelt werden. Wir sehen uns als Unterstützung der Fach- und Hausärzte. Wir haben glücklicherweise auch ausreichend Zeit, um intensiv zu beraten, können als Ansprechpartner für alle Belange fungieren und gegebenenfalls an Spezialisten verweisen.

Was gehört noch zu Ihren Aufgaben?

Gemeinsam mit meinem Team befasse ich mich mit medizinischen und präventivmedizinischen Themen, mit klassischen betriebsärztlichen Aufgaben sowie Inhalten, die sich aus Projekten und Aufgabenstellungen anderer Fachbereiche ergeben. Die medizinischen Themen umfassen im Wesentlichen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, präventive Check-Ups, Sprechstunden, saisonale Grippeschutzimpfungen, Impfberatungen und Impfleistungen für Auslandsreisen. So sind wir auch als anerkannte Gelbfieberimpfstelle des Landes NRW zertifiziert. Zusätzlich übernehmen wir während der Dienstzeiten am Standort notfallärztliche Versorgung. Wir schulen außerdem die Notfallkompetenz von Wachschutz, Betriebsfeuerwehr und ausgewählten Ersthelfern, um die Gesundheit im Notfall bestmöglich schützen zu können. Die Planung und Umsetzung von Gesundheitsaktionen gehören auch zum Angebot. Klassische betriebsärztliche Tätigkeiten sind die Teilnahme an Arbeitsschutzausschusssitzungen, Betriebsbegehungen, Beurteilung von Arbeitsplätzen im Hinblick auf Ausstattung, Ergonomie und Schichtrhythmen sowie die Unterstützung bei Gefährdungsbeurteilungen.

Außerdem begleiten wir die Wiedereingliederung am Arbeitsplatz und das betriebliche Eingliederungsmanagement. Gerade hier sind oft Gespräche mit Hausarzt, Facharzt, Krankenkassen und Führungskraft zu leisten, um einen sinnvollen Wiedereingliederungsprozess zu gestalten. Zusätzlich erfolgen Beratungen von Führungskräften zu medizinischen Fragestellungen bei Um- oder Versetzungsanliegen oder sonstigen spezifischen Abteilungsfragen.

Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit am besten?

Die Möglichkeit, Arbeitsbedingungen und Umgebungen zum Wohle der Kolleginnen und Kollegen mitzugestalten und sie durch Prävention zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten zu motivieren, empfinde ich als sehr erfüllend und spannend. Die Sprechstunden werden gut angenommen, das zeigt uns, dass wir mit diesem Angebot bei der Belegschaft richtig liegen. Um so ein breites Angebot wie unseres zu ermöglichen, braucht es natürlich vertrauensvollen Freiraum und die entsprechende Unterstützung – alles das bietet mir WAGO.

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Im Rahmen unseres Gesundheitsmanagements sind wir in die Fort- und Ausbildung der Führungskräfte, Teamkoordinatoren, Gesundheitsbeauftragten und in der Führungskräfteentwicklung eingebunden. Dort unterstützen wir mit Vorträgen und Workshops. Ich glaube, in diesem Angebot steckt noch viel Potenzial. Das Konzept, Führungskräfte zu „Gesundheitsbotschaftern“ zu entwickeln, werden wir zukünftig sicher noch weiter ausbauen. Ein weiterer Fokus liegt auf unserer jüngsten Zielgruppe, den Azubis und Studierenden, hier können wir mit Prävention viel erreichen. Wichtige zukunftsweisende Themen wie die demographische Entwicklung, alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze vor allem im Hinblick auf Ergonomie und Prävention und die Herausforderungen der Digitalisierung haben wir ständig im Blick.

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