Gebäudeautomation

Tausende BACnet-Objekte auf Knopfdruck konfiguriert

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Bilder: VVPhotography

  • 10/27/2026
  • Die Rote Fabrik Zürich stellt hohe Anforderungen an die Gebäudeautomation. Für die Anbindung an das Leitsystem der Stadt Zürich musste die Intellitec AG umfangreiche BACnet-Vorgaben umsetzen. Entscheidend war dabei nicht nur die Technik, sondern die Automatisierung des gesamten BACnet-Engineerings.



    Die Rote Fabrik in Zürich gehört zu den bekanntesten Kulturzentren der Schweiz. Das ehemalige Industrieareal am Zürichsee vereint Veranstaltungsräume, Gastronomie, Kulturbetrieb und Gewerbeflächen unter einem Dach. Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen an die technische Infrastruktur. Besonders die Lüftungstechnik muss auf stark schwankende Besucherzahlen und wechselnde Nutzungen reagieren.

    Im Rahmen eines Modernisierungsprojekts wurde ein Gebäudeteil an das E-Dialog-Portal der Stadt Zürich angebunden. Dahinter steht ein übergeordnetes Leitsystem, das einheitliche Anforderungen an Datenstrukturen, BACnet-Objekte und die Integration der Gebäudeautomation stellt. Für Intellitec bedeutete dies, die Vorgaben der Stadt Zürich und des Leitsystemumfelds konsequent umzusetzen.

    Für Jan Cathry, Mitglied der Geschäftsleitung und Projektleiter bei der Intellitec AG, lag die eigentliche Herausforderung dabei weniger in der Regelungstechnik als in der Datenmodellierung. «Die grösste Herausforderung war ein Leitsystem, das wir nicht kannten, und Vorschriften, die wir davor nicht hatten.»

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    Wenn BACnet zur Fleissarbeit wird

    BACnet gilt als etablierter Standard für die herstellerübergreifende Kommunikation in der Gebäudeautomation. Mit steigender Projektgrösse wächst jedoch auch der Aufwand für die Erstellung und Pflege der erforderlichen Datenpunkte. Objektstrukturen, Bezeichnungen, Beschreibungen und Zuordnungen müssen konsistent aufgebaut werden, damit die Integration in übergeordnete Managementsysteme funktioniert. Früher bedeutete dies sehr viel Handarbeit. Datenpunkte wurden manuell angelegt, kontrolliert und dokumentiert. Fehler in Bezeichnungen oder Nummerierungen konnten sich bis ins Leitsystem fortpflanzen und dort zusätzlichen Aufwand verursachen.

    Genau an diesem Punkt setzte Intellitec gemeinsam mit WAGO an. Bereits zu Beginn des Projekts stand fest, dass die vorhandenen Werkzeuge die Anforderungen nicht vollständig abbilden konnten. Deshalb entwickelte sich ein intensiver Austausch mit Thomas Schaller, Sales & Project Engineer bei der WAGO Contact SA. Die Anforderungen aus der Praxis flossen laufend in die Weiterentwicklung des Solution Builders ein. Dabei zeigte sich schnell, dass generische Softwarelösungen nicht immer den schweizerischen Projektierungsrealitäten entsprechen. Vorgaben aus Ausschreibungen, definierte Kennzeichnungssysteme und projektspezifische Nummerierungen mussten berücksichtigt werden. Zahlreiche Funktionen wurden deshalb angepasst und erweitert.

    Für eine Anwendung mussten wir rund 1800 BACnet-Objekte von Hand erfassen. Heute erledigt das System dieselbe Aufgabe in wenigen Minuten.

    Jan Cathry
    Mitglied der Geschäftsleitung und Projektleiter, Intellitec AG

    Solution Builder übernimmt Fleissarbeit

    Der Nutzen dieser Entwicklung zeigt sich besonders deutlich bei grossen Projekten. Jan Cathry erinnert sich an eine Anwendung, bei der rund 1800 BACnet-Objekte manuell erfasst werden mussten. Eine Arbeit, die mehrere Tage beanspruchte und entsprechend fehleranfällig war. Heute übernimmt der Solution Builder grosse Teile dieser Arbeit automatisiert. Objektstrukturen, Beschreibungen und Zuordnungen werden auf Basis definierter Vorlagen erzeugt. Was früher Tage dauerte, lässt sich inzwischen innerhalb weniger Minuten erstellen.

    Die Zeitersparnis bedeutet allerdings nicht, dass weniger Engineering erforderlich wäre. Vielmehr verschiebt sich der Fokus. Statt Datenpunkte manuell anzulegen, investieren die Projektteams ihre Zeit in Qualitätssicherung, Funktionsprüfungen und die Optimierung der Anlagen. «Im Hintergrund werden die BACnet-Objekte bereits vorbereitet. Die gewonnene Zeit nutzen wir für Kontrollen und den Abgleich mit den Funktionsbeschreibungen», erklärt Jan Cathry. Ein weiterer Vorteil liegt in der höheren Konsistenz der Daten. Einheitliche Strukturen erleichtern nicht nur die Projektierung, sondern auch die spätere Integration in Leitsysteme und den langfristigen Betrieb der Anlagen.

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    Komplexe Anforderungen im besonderen Umfeld

    Die technische Anlage in der Roten Fabrik muss unterschiedlichste Nutzungsszenarien abdecken. Veranstaltungsräume mit hohen Besucherzahlen erzeugen innerhalb kurzer Zeit erhebliche Wärmelasten. Gleichzeitig gilt es, die Anforderungen an Luftqualität, Energieeffizienz und Brandschutz einzuhalten. Lüftungsanlagen mit grossen Luftmengen müssen deshalb schnell auf Veränderungen reagieren können. Die Regelung muss genügend Dynamik bieten, ohne dabei instabil zu werden oder unnötig Energie zu verbrauchen.

    Für Intellitec gehört die Regelung solcher Anlagen heute zum Tagesgeschäft. Neu waren dagegen die Anforderungen rund um die Datenintegration und die Einhaltung der BACnet-Vorgaben. Gerade hier zeigte sich der Nutzen einer konsequenten Standardisierung. Auch die eingesetzte Hardware spielte dabei eine wichtige Rolle. Zum Einsatz kamen Controller, Netzteile, Klemmen sowie Netzwerkkomponenten von WAGO. Jan Cathry schätzt insbesondere die Offenheit und Langlebigkeit der Plattform. Controller, die über Jahrzehnte im Einsatz standen, verrichten teilweise noch heute zuverlässig ihren Dienst.

    BACnet SC als nächster Schritt

    Auch wenn BACnet Secure Connect (BACnet SC) im Projekt noch keine zentrale Rolle spielte, beobachten die Beteiligten die Entwicklung aufmerksam. Die steigenden Anforderungen an Cyber-Security und sichere Kommunikationswege werden künftig auch in der Gebäudeautomation an Bedeutung gewinnen. BACnet SC erweitert den etablierten BACnet-Standard um moderne Sicherheitsmechanismen und verschlüsselte Kommunikation. Für Betreiber öffentlicher Infrastrukturen könnte dies in Zukunft zunehmend relevant werden.

    Die Erfahrungen aus der Roten Fabrik zeigen jedoch bereits heute, worauf es bei modernen BACnet-Projekten ankommt: Nicht allein die Kommunikationstechnologie entscheidet über den Projekterfolg, sondern die Fähigkeit, komplexe Datenstrukturen effizient, konsistent und wirtschaftlich zu erstellen. Die eigentliche Innovation liegt deshalb nicht nur im Standard selbst, sondern in den Werkzeugen, die BACnet-Engineering zunehmend automatisieren. Diese geben den Fachleuten mehr Zeit für die Aufgaben, die menschliches Know-how erfordern.

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