Der vierflügelige Komplex am Kapstadtring bringt heute Denkmalschutz, Energieeffizienz und funktionale Flexibilität in Einklang. Der Großraum ist einer kleinteiligen Raumaufteilung gewichen, die flexibel gestaltbar ist. Das Raster lässt Einzelarbeitsplätze genauso zu wie großzügig geschnittene Büros für ganze Teams. Die Konzeption macht es möglich, den Raum den herrschenden Gegebenheiten räumlich anpassen zu können. Werden Büros für zwei oder drei Personen oder gar ein ganzes Projektteam benötigt, dann lässt sich der dafür notwendige Raum sehr variabel schaffen. Für diese Flexibilität reichen die im Raster frei versetzbaren Leichtbauwände allein aber noch nicht aus. Vielmehr muss auch die Gebäudetechnik – zum Beispiel die Heizung – den Raumwünschen Folge leisten können.
Die Wärme liefern unter den Fenstern platzierte Konvektoren. Der Bedarf wird über die Kombination aus ventilgesteuertem Heißwasserzulauf und drehzahlvariablem Gebläse geregelt. Gesteuert wird das Ganze vom WAGO-I/O-SYSTEM 750. Die für den Umbau beauftragten Gebäudetechnikexperten von Caverion Deutschland realisierten die Sanierung mit zwei Typen von Konvektorsteuerungen. An Typ 1 lassen sich bis zu 16 Konvektoren anschließen. Typ 2 kann infolge einer Erweiterung des I/O-Systems bis zu 24 Einheiten steuern. Dabei verband Caverion jeweils zwei Konvektoren mit einem analogen Ausgang des modularen WAGO-I/O-SYSTEMs 750. „Zwei Konvektoren bilden in unserem System ein festes Pärchen, das wir auf einen Ausgang des WAGO-Knotens schalten“, erklärt Jan Sierck, Projektleiter von Caverion. Weil bei dem Projekt die Flexibilität mit im Vordergrund stand, lässt sich das System „relativ leicht umprogrammieren“, sagt Sierck. Die Anlage liefert damit die räumliche Flexibilität, die für Umorganisationen oder Umbauten notwendig ist. Damit wird erreicht, dass das Gebäude den Organisationsveränderungen des Mieters folgen kann.
Die WAGO-SPS (750-881) unternimmt in der täglichen Bürowelt den Soll-Ist-Vergleich zwischen gewünschter und tatsächlich in einem Raum herrschender Temperatur. Der Sollwert liegt in den Büroräumen bei 22 Grad Celsius. Gibt es eine Temperaturunterschreitung von einem Kelvin, wird die Heizungsregelung freigegeben und das Warmwasserventil per PWM-Signal (Pulsweitenmodulation) angesteuert. Zeitgleich regelt das WAGO-I/O-SYSTEM auch die Lüfterdrehzahl in den Konvektoreinheiten. Der Stellbereich wird analog über ein 0-10V-Signal festgelegt.
Der Grund für den Einsatz von zwei unterschiedlich skalierten Ausbaustufen des WAGO-I/O-SYSTEMs wurde nach Auskunft von Jan Sierck deshalb gewählt, um die Kleinteiligkeit von Räumen so gut es geht zu ermöglichen. Das kann bis zur Minimalgröße von einer Achse gehen, wenn zum Beispiel auf einem Flur ein Kopierraum samt kleinem Materiallager entsteht. Angesichts der maximalen Wandlungsfähigkeit der Räume und der flexiblen Möglichkeiten, die Steuerung zu programmieren, war zum Beginn des Projektes zunächst noch nicht klar, wie die Technik selbst einen Platz finden sollte. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass das WAGO-I/O-SYSTEM in Systemverteilern eingebaut und dann im Boden versenkt wird. „Aus der gewünschten Flexibilität heraus haben wir im Projektteam die Idee geboren, die Steuerungstechnik direkt bei den Konvektoren zu platzieren. Das ließ sich mit WAGO sehr einfach realisieren“, begründet Sierck die Systemauswahl. „Das I/O-System ist auch bei der Kommunikation gut. Wir sind mit ETHERNET schnell unterwegs und können über Schnittstellen alle anderen Kommunikationssysteme wie KNX, DALI oder BACnet einsammeln und gebündelt an die Gebäudeleittechnik übergeben.“
Zu den Wandkonvektoren hat Caverion auch baugleiche Deckenkonvektoren für innenliegende Flurbereiche konzipiert. Die Steuerungstechnik dafür ist in einer von zwei Unterstationen pro Etage platziert. Auf diese Steuerungen werden auch die Brandschutzklappen geschaltet. Das WAGO-I/O-SYSTEM 750 sammelt die Daten von mehr als 100 Klappen pro Etage ein und gibt sie ebenfalls gebündelt per ETHERNET an die GLT.
„Mit dieser Kommunikationsstruktur sparen wir deutlich bei der Installation“, sagt Sierck. Neben den Vorteilen reduzierter Kabelwege, sinkender Kosten für Leitungen sowie Verlegesysteme und weniger Platzbedarf sinkt auch noch die Brandlast, weil sich nur zwei ETHERNET-Kreise durch die Etage ziehen.
ETHERNET bildet an dieser Stelle die Grundlage für eine dezentrale, intelligente Automation ohne Einschränkungen bei der Datenverfügbarkeit. Das WAGO-I/O-SYSTEM 750 macht es möglich, nahezu jede beliebige Kombination aus digitalen und analogen Signalen sowie komplexere Subsysteme miteinander zu kombinieren. „Mit nur wenigen nachbestellten Busklemmen können wir auch in Zukunft jederzeit leicht erweitern“, fasst Jan Sierck zusammen. Das Projekt Kapstadtring 2 sei bis heute noch nicht zu Ende. Weil das Gebäude den Organisationsveränderungen folgt, gibt es immer wieder Anpassungen, die letztlich Auswirkungen auf die Gebäudetechnik haben werden.
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